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Einblicke in das Freiwillige Sozialjahr

Was macht das Freiwillige Sozialjahr (FSJ) so besonders? Welche Erlebnisse bringt ein freiwilliges soziales Jahr? Hier erzÀhlen einige ehemalige Teilnehmer:innen von ihren persönlichen Erfahrungen:


Erfahrungsbericht: Zwischen Alt und Jung

Juni 2025

FSJ-Teilnehmerin Maya hat sich am Ende ihres FSJ die Frage gestellt: Was verbindet uns – und wie können wir diese Verbindung stĂ€rken?

„Was mache ich jetzt?“ Diese Frage stellte ich mir vor genau einem Jahr. Direkt nach der Matura wissen viele Jugendliche nicht, wie es weitergehen soll – ich war eine davon. Doch durch mein Freiwilliges Sozialjahr, das ich in einem Tageszentrum fĂŒr Senior:innen absolvierte, ist mir vieles klarer geworden – vor allem in Bezug auf meine Zukunft. In diesem Jahr habe ich nicht nur mich selbst besser kennengelernt, sondern auch meinen Kontakt zur Ă€lteren Generation vertieft. Es war ein spannender, manchmal herausfordernder Weg, der mich oft zum Nachdenken gebracht und mir sowohl die schönen als auch die schwierigen Seiten des Älterwerdens nĂ€hergebracht hat. Mir wurde klar: Die Verbindung zwischen Jung und Alt kann tatsĂ€chlich gestĂ€rkt werden – wenn man bereit ist, sich aufeinander einzulassen. In diesem Blog möchte ich von meinen Erfahrungen berichten, meiner Reise durch das FSJ, und davon, wie VerstĂ€ndnis und Verbindung zwischen den Generationen entstehen können.

Der Anfang – Unsicherheit und neue Wege

Mein Freiwilliges Sozialjahr begann im Oktober 2024. Anfangs fiel es mir nicht leicht, Anschluss zu finden. Es war ungewohnt, mit den Senior:innen zu kommunizieren oder gemeinsam Denk-, Bewegungs- und Spielgruppen zu machen. Ich hatte Angst – nicht vor den Menschen selbst, sondern davor, dass wir nichts gemeinsam haben. Der große Altersunterschied verunsicherte mich. Ich fĂŒhlte mich oft fehl am Platz – und manchmal sogar verurteilt. Verurteilt dafĂŒr, dass ich mein ganzes Leben noch vor mir habe, wĂ€hrend ihre Zeit vielleicht schon begrenzter ist. Ich hatte oft das GefĂŒhl, dass uns nicht nur die Jahre, sondern auch unser Denken trennt – dass wir dieselben Situationen ganz unterschiedlich wahrnehmen und bewerten wĂŒrden.

Herausforderungen mit Demenz – und was ich daraus gelernt habe

Besonders die Arbeit mit demenziell erkrankten Menschen war anfangs eine große Herausforderung. Es kommt vor, dass man plötzlich in eine Konfliktsituation gerĂ€t – ohne erkennbaren Grund. Manchmal reicht ein falsches Wort oder ein kleiner Auslöser, und es entsteht eine Krise. Ich musste erst lernen, dass das Verhalten nicht gegen mich persönlich gerichtet ist, sondern Teil der Erkrankung.

Durch Seminare zum Thema Demenz konnte ich mein Wissen ĂŒber die neurokognitive Störung erweitern. Ich begann, Muster zu erkennen und entwickelte ein besseres GespĂŒr dafĂŒr, wie ich in schwierigen Momenten reagieren kann. Zum GlĂŒck hatte ich dabei stets die UnterstĂŒtzung des großartigen Teams im Tageszentrum. Sie standen mir mit Rat und Tat zur Seite, haben mich ermutigt, gestĂ€rkt und mir das nötige Vertrauen gegeben, um zu wachsen.

Gemeinsame Interessen verbinden

Eine wichtige Erkenntnis: Gemeinsame Interessen und Hobbys können BrĂŒcken zwischen den Generationen bauen. Viele Ă€ltere Menschen haben Leidenschaften, die sie ĂŒber Jahrzehnte hinweg gepflegt haben. Wenn JĂŒngere echtes Interesse zeigen, entsteht Verbindung – und gegenseitiges VerstĂ€ndnis.

Ich habe gelernt, wie bereichernd es ist, nach frĂŒher zu fragen: „Wie war das bei euch in der Jugend?“ Solche GesprĂ€che öffnen TĂŒren. Man entdeckt Gemeinsamkeiten, teilt Ă€hnliche Geschichten – und plötzlich spielt der Altersunterschied keine große Rolle mehr.

Ein Fazit fĂŒrs Leben

Am Ende bleibt eines klar: Jede Generation bringt ihre eigenen StĂ€rken, Erfahrungen und Perspektiven mit. Die Älteren haben ein wertvolles Wissen und eine Ruhe, die aus gelebtem Leben stammt. Die JĂŒngeren bringen frischen Wind, KreativitĂ€t und Mut zum Wandel. Wenn wir den Dialog zwischen Alt und Jung fördern, entstehen neue Sichtweisen – und ein echtes Miteinander. Statt Unterschiede zu betonen, sollten wir uns auf das konzentrieren, was uns verbindet. Denn nur gemeinsam lĂ€sst sich eine Zukunft gestalten, in der alle Generationen ihren Platz haben.

Teilnehmerin vom Freiwilligen Sozialjahr im GesprÀch mit Kundin im Tageszentrum

Wo Projekte sprießen

Juni 2025

Um den Innenhof des FSW-Tageszentrums Sechshauserstraße fit fĂŒr den Sommer zu machen, haben Jana und David das Projekt „WohlfĂŒhloase“ ins Leben gerufen. Sie haben in ihrem Freiwilligen Sozialjahr (FSJ) ihren grĂŒnen Daumen unter Beweis gestellt: Einmal die Woche haben sie dafĂŒr 2 Stunden gemeinsam mit Kund:innen des Tageszentrums BlumengefĂ€ĂŸe getöpfert und bemalt, Pflanzschilder gebastelt, Blumen eingesetzt und KrĂ€uter gesĂ€t.

Gemeinsam garteln

Im Mittelpunkt standen das kreative Arbeiten und der Austausch. Einige Kund:innen haben ihr Pflanzenwissen geteilt oder Tipps fĂŒr den richtigen Umgang mit ihren Lieblingsblumen weitergegeben. Egal ob sie tatkrĂ€ftig beim Umtopfen angepackt oder ihre Feinmotorik beim JĂ€ten und Gießen trainiert haben – die Kund:innen im Tageszentrum waren mit Begeisterung dabei. „Manche haben erzĂ€hlt, was sie frĂŒher im eigenen Garten angebaut haben oder gehen jeden Tag in den Hof und schauen, wie sich die Pflanzen entwickeln“, erzĂ€hlt Jana von dem Projekt. Über das Freiwillige Sozialjahr sagt sie: „FĂŒr mich ist es ein sinnvolles Jahr. Ich habe das erste Mal fĂŒr lĂ€ngere Zeit Arbeitserfahrung gesammelt. Ich möchte eine Ausbildung in der Ergotherapie machen und habe viel Einblick in den Sozialbereich bekommen.“ David wird wahrscheinlich nach dem Jahr Innenarchitektur studieren. „FĂŒr mich war der Einblick in den sozialen Sektor wichtig. Auch wenn es als Beruf nicht in Frage kommt. Ich habe viel gelernt und kann mit meinem Opa, der fast taub ist, jetzt viel besser umgehen.“

Was raten die beiden anderen jungen Menschen, die ĂŒberlegen, ein Freiwilliges Sozialjahr zu machen? „Einfach probieren. Wer offen ist und keine Angst vor Kontakten hat, wird Spaß haben und viel fĂŒrs Leben lernen“, sind sich Jana und David einig.

3 Fragen zum FSJ an Jana und David:

Wie wĂŒrdet ihr das Freiwillige Sozialjahr in 3 Worten beschreiben?

  • Lustig, abwechslungsreich und lehrreich

Warum sollte sich jemand fĂŒr ein Freiwilliges Sozialjahr entscheiden?

  • Das FSJ ist eine gute Orientierung. Man bekommt viele Einblicke – es ist wichtig, auch diese Seite des Lebens einmal zu sehen. Auch wenn man nachher keinen sozialen Beruf ergreifen möchte.

Was hat euch besonders geholfen?

  • Der Austausch untereinander war wichtig und das Begleitprogramm unterstĂŒtzt bei all den Erfahrungen, die wir gemacht haben. Es entstanden auch neue Freundschaften – damit kann man sich schnell einleben.
KrÀuterbeet mit Dekoelement
Beet mit Lavendelpflanze und Pflanzschild
Kundin aus den Tageszentrum gießt Blumen
Teilnehmerin des Freiwilligen Sozialjahres mit Kundin im Tageszentrum vor dem KrÀuterbeet
Teilnehmer des Freiwilligen Sozialjahres pflegt den KrÀutergarten mit Kundin im Tageszentrum
Zwei Teilnehmer:innen des Freiwilligen Sozialjahres lachen in die Kamera
Kundinnen im Tageszentrum pflanzen Blumen ein
Alte Dame pflanzt Samen in einem GefĂ€ĂŸ

Film ab: Live dabei im Obdach GĂ€nsbachergasse

Mai 2025

Laura nimmt uns mit ins Obdach GĂ€nsbachergasse und zeigt, was sie in ihrem Freiwilligen Sozialjahr macht.


Freiwilliges Sozialjahr bei FSW Obdach


„Unvergesslich“: Das FSJ als Weichensteller – eine ehemalige Teilnehmerin im Interview

Juni 2024

Amalia hat ihr Freiwilliges Sozialjahr (FSJ) von September 2019 bis Juni 2020 im FSW Tageszentrum fĂŒr Senior:innen Donaufeld absolviert.

Nach der Matura war fĂŒr Amalia klar, dass sie einen positiven Beitrag fĂŒr die Gesellschaft leisten und Sozialberufe hautnah kennen lernen möchte. Mit ihrem Engagement im Rahmen des FSJ ergriff sie die Möglichkeit, in den Sozialbereich einzutauchen. Es war eine perfekte Gelegenheit, damit die Weichen fĂŒr die Zukunft zu stellen. Nach ihrem Studium fĂŒr Sozialmanagement an der FH Oberösterreich Campus Linz arbeitet sie heute im FSW Bildungszentrum in der Bildungsberatungsstelle, berĂ€t Menschen bei der Berufswahl und zur Möglichkeit, ein FSJ zu machen. Was sagt sie heute ĂŒber ihr Freiwilliges Sozialjahr?

Wie bist du eigentlich zum FSJ gekommen?

Die Möglichkeit, ein Freiwilliges Sozialjahr zu absolvieren, hatte sich damals im Freundeskreis herumgesprochen. Auf das FSW Bildungszentrum bin ich dann durch Online-Recherchen gestoßen.

Was hast du erlebt, womit du ĂŒberhaupt nicht gerechnet hast?

Womit ich ĂŒberhaupt nicht gerechnet habe, ist das hohe Maß an persönlicher Weiterentwicklung. Besonders der intensive Kontakt zu den Senior:innen hat mir einen völlig neuen Blickwinkel auf das Leben eröffnet.

Gab es auch schwierige Momente in der Zeit? Wie bist du damit umgegangen?

Gerade in der Arbeit mit Àlteren Menschen kommt es zur Konfrontation mit SchicksalsschlÀgen. Im Umgang damit haben mir einerseits die Seminare des begleitenden Bildungsprogramms geholfen, andererseits aber auch GesprÀche mit den Kolleg:innen, mit Familienangehörigen und Freunden. Das schafft eine Abgrenzung in schwierigen Momenten.

Welche Erfahrungen möchtest du nicht missen?

FĂŒr mich sind es die kleinen, aber bedeutsamen Momente, die ich nicht mehr missen möchte. Dazu gehört vor allem die aufrichtige Dankbarkeit und WertschĂ€tzung, die ich von den Senior:innen erfahren durfte und zu spĂŒren bekommen habe.

VerÀndert ein FSJ auch persönliche Einstellungen oder Sichtweisen?

Ja, absolut! Ich habe einen neuen Zugang und ein besseres VerstĂ€ndnis fĂŒr die Denk- und Verhaltensweisen von Ă€lteren Menschen bekommen. Meine Sichtweise auf viele Dinge hat sich verĂ€ndert – zum Beispiel: Es lohnt sich immer, positiv durch das Leben zu gehen.

„Ein FSJ ist verlorene Zeit!“ Was antwortest du auf diese Aussage?

Auch wenn man nach einem FSJ feststellen sollte, dass der soziale Bereich nicht der richtige Weg ist, ist das keineswegs verschwendete Zeit. Im Gegenteil – es ist meiner Meinung nach ebenso eine wertvolle Erkenntnis, die einen vorantreibt und einem dabei hilft, den eigenen Weg klarer zu sehen.

Hat das FSJ deine weitere Berufswahl beeinflusst? Wenn ja, wie?

Ja, definitiv. Das FSJ hat meine Entscheidung, ein Studium und einen Beruf im sozialen Bereich anzustreben, gestÀrkt.

Das FSJ steht in deinem Lebenslauf. Wurdest du bei Bewerbungen darauf angesprochen? Hast du das GefĂŒhl, es hat sich positiv ausgewirkt?

Es hat sich unfassbar positiv auf meinen Werdegang ausgewirkt und mir im Endeffekt den Weg eröffnet, den ich gegangen bin. Da mein Studium berufsbegleitend war, konnte ich beim BewerbungsgesprÀch dank des FSJ bereits erste praktische Erfahrungen vorweisen.

Du arbeitest jetzt in der Bildungsberatung. Da ist das FSJ auch immer wieder ein Thema. Wem empfiehlst du ein FSJ?

Besonders jungen Menschen, die Interesse am Sozial- und Gesundheitsbereich haben, aber noch unentschlossen sind, welchen konkreten Weg sie langfristig gehen möchten. Es ist auch eine Möglichkeit fĂŒr ein sinnvolles Zwischenjahr oder eine Alternative zum Zivildienst.

Was kannst du nach deinen eigenen Erfahrungen jemandem raten, der aktuell ĂŒberlegt ein FSJ zu machen?

Ich kann nur dazu ermutigen, den Schritt zu wagen! Ich habe dadurch gelernt, was es bedeutet Verantwortung zu ĂŒbernehmen, im Team zu arbeiten und auch meine StĂ€rken sowie Grenzen zu erkennen. Sei offen fĂŒr neue Erfahrungen und nutze die Möglichkeit von den Menschen um dich herum zu lernen.

Du kannst dein FSJ mit nur einem Wort beschreiben. Welches wÀre das?

Unvergesslich.


Film ab: Live dabei im Tageszentrum fĂŒr Senior:innen

Mai 2024

Lenni und Sebi zeigen im FSW Tageszentrum Baumgarten, wie ein Tag im Freiwilligen Sozialjahr ablÀuft.

Freiwilliges Sozialjahr beim FSW


Fotocollage: Erinnerung trifft KreativitÀt

Mai 2022

Eingehen auf die BedĂŒrfnisse und BeschĂ€ftigung mit den Kund:innen ist ein wichtiger Bestandteil des Freiwilligen Sozialjahres (FSJ). Hannah und Nina haben sich dafĂŒr im FSW Tageszentrum Winarskystraße ein besonderes Kreativ-Projekt ausgedacht und im Mai 2022 in ihrem FSJ umgesetzt. Gemeinsam mit Kund:innen bastelten sie an einer Collage zum Thema Heimat.

„Wir wollten Kreatives mit persönlicher Erinnerungsarbeit verbinden, deshalb schien das Thema Heimat naheliegend. Uns war auch wichtig, möglichst viele Kund:innen mit einzubinden“ erklĂ€rt Nina die Idee des Projekts. „Jeder Mensch kann mit dem Begriff etwas anfangen, man kann viel ĂŒbereinander erfahren und voneinander lernen kann. Es ist interessant, dass jeder ganz eigene Erfahrungen zu diesem Thema hat.“ Gemeinsam haben Nina und Hannah die Arbeit an der Collage ĂŒber einige Wochen begleitet. Hannah betont einen weiteren Aspekt: „Die Kund:innen können sich untereinander austauschen und Parallelen herstellen. Die einzelnen Lebensgeschichten zu hören, zu erfahren, wie sie selbst aufgewachsen sind und wie ihre Kindheit und Jugend war. Dieser Kontrast zu meiner eigenen Lebensgeschichte ist sehr spannend und inspirierend.“

Dass Heimat fĂŒr jeden etwas anders bedeutet, zeigt die Vielfalt an Bildern, mit denen die Kund:innen das Thema kreativ dargestellt haben. Nach Fertigstellung wurde die Collage im Tageszentrum ausgestellt.

„Vor meinem FSJ hĂ€tte ich mir eigentlich nicht vorstellen können, mit Ă€lteren Menschen zu arbeiten. Aus jetziger Sicht kann ich es mir aber absolut vorstellen – vor allem Menschen mit Demenz zu begleiten, da mir diese Arbeit ganz viel gibt und sehr erfĂŒllend fĂŒr mich ist.“

Hannah A.

„Ich war mir schon vor meinem FSJ ziemlich sicher, dass ich Physiotherapeutin werde möchte. Aber die Zeit hier hat mich nochmal mehr in meinem Berufswunsch bestĂ€rkt. Ich habe viel im Umgang mit Menschen, Kommunikation und StressbewĂ€ltigung gelernt und auch viel ĂŒber mich selbst. Das werde ich mit auf meinen weiteren Weg nehmen.“

Nina Z.

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Wir freuen uns auf deine Online-Bewerbung ab Februar 2026.